Home-Therapie: Kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung in Corona-Zeiten

MÖDLING-HINTERBRÜHL - Die momentane Situation benötigt ein hohes Ausmaß an Flexibilität und Kreativität von allen Beteiligten. Sie zeigt aber auch was über den Online-Kontakt im Sinne eines Home-Treatments möglich ist. Aus der Not wurde Tugend und das Telefon sowie moderne Video-Telefonie-Plattformen machen es möglich mit den jungen Patientinnen und Patienten der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Landesklinikums Mödling den persönlichen Kontakt zu erhalten.

Covid-19 beeinflusst seit März unser gesellschaftliches Leben und macht auch vor der Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht Halt. Mit der Umstellung auf einen „Akutbetrieb“ und den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus mussten traditionelle Behandlungsangebote im stationären, teilstationären und ambulanten Setting neu überdacht werden.

„Mit neuen Möglichkeiten, die vom Team der KJPP-Mödling mit viel Kreativität, Engagement und Flexibilität entwickelt wurden, konnte durch Telefon- sowie Videotelefonie der regelmäßige Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und deren Familien aufrecht gehalten werden. Das therapeutische Angebot setzt sich dabei aus unterschiedlichen Therapieelementen zusammen, die im Sinne einer interdisziplinären Behandlungsplanung aufeinander abgestimmt und von unterschiedlichen Berufsgruppen getragen werden. Neben kinder – und jugendpsychiatrischen Beratungsgesprächen stehen einzel- und gruppentherapeutische Angebote zur Verfügung. Sozialpädagogische Interventionen wie das Erstellen von Tagesstrukturplänen und das Anbieten von Lernunterstützung erreichen die Familien zuhause und werden als große Unterstützung erlebt,“ erklärt Primaria Dr. Judith Noske, Abteilungsvorständin der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Landesklinikums Baden-Mödling am Standort Hinterbrühl.

„Eine besondere Form der Behandlung via Hometreatment und Videotelefonie ist die ‚virtuelle Tagesklinik‘ “, stellt der Leiter der Tagesklinik und Ambulanz in Wiener Neustadt Dr. David Koller vor. „Diese wurde geschaffen um zuvor in Wr. Neustadt tagesklinisch aufgenommene Patienten über die neuen Medien weiterhin zuhause betreuen zu können. Auch hier sind die Jugendlichen mit ihren Behandlern (Ärzten, Psychologen, Therapeuten, Sozialarbeitern, Pflege/Erziehung, Lehrern) über das Internet mittels Handy oder Computer verbunden. Zum derzeitigen Zeitpunkt werden zum Beispiel den Jugendlichen drei gleichbleibende Gruppen-Termine sowie individuelle Einzel-Einheiten als Behandlungsangebote zur Verfügung gestellt.“

Mag. Karin Zajec, leitende klinische Psychologin, stellt fest, dass die große Vertrautheit mit Online-Tools es vielen Kinder und Jugendliche möglich macht, diese wie selbstverständlich im therapeutischen Kontext zu nutzen. Erfahrungen mit den neuen Medien in der Behandlung von psychisch auffälligen Kindern und Jugendlichen zeigen, dass manche Kinder und Jugendliche in der Coronakrise mit eingeschränktem persönlichen Kontakt aus dem Behandlungskontext verlieren, dass aber andere Familien, die es sonst kaum zu persönlichen Terminen schaffen nun leichter erreichbar sind.

Natürlich hat dies auch seine Grenzen und muss überlegt werden, wo es dennoch einen persönlichen Kontakt braucht, welche Faktoren nicht ersetzt werden können und welche Möglichkeiten man auch nach der Coronakrise in den Therapiealltag einbauen kann.

 

BILDTEXT
Um Kinder und Jugendliche gezielt zu unterstützen, bietet das Team der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Landesklinikums Mödling Kinder und Jugendlichen über Videotelefonie therapeutische Einheiten an. Copyright: LK Baden-Mödling

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